Pressestimmen

Interview aus der Basar Zeitung für Bildung – Arbeit – Sebstädigkeit – aus der Region ( Ausgabe August|September 2012)

»Ich wollte immer selbstständig arbeiten, denken und fühlen«

Nilüfer Ezer verwandelt Stoffreste in neue Designprodukte.

Nilfüfer Ezer vor dem Kreativzentrum in Linden.

Die Deutsch-Türkin ist 1980 in Hannover geboren und hat hier 2007 ihr Produktdesign-Studium im Fachbereich Mode und Textil abgeschlossen. In Brasilien, Indien und der Türkei hat sie schon gelebt und in verschiedenen Mode- und Textildesign-Bereichen Erfahrungen gesammelt. Spezialisiert ist sie auf Recyclingdesign. Kulturelle Vielfalt prägt nicht nur ihre Arbeit. Nilüfer singt in der Band Bhavana: Ihrem Denken und Fühlen verleiht sie dabei in türkischer Sprache Ausdruck, begleitet wird sie von Musikern, die sich auf vielerlei Spielarten einlassen. Nun geht sie in ihrer Heimatstadt eine Existenzgründung an.

Basar: Warum machst du dich selbstständig?
Nilüfer Ezer: Ich wollte immer selbstständig arbeiten, denken und fühlen. Meiner Kreativität möchte ich Freiraum geben. Die Selbstverwirklichung verbunden mit wirtschaftlichem Erfolg lässt sich, meiner bisherigen Erfahrung nach, in diesem Rahmen besser realisieren.

Womit machst du dich selbstständig?
Ich entwerfe, produziere und verkaufe Damenoberbekleidung und Accessoires. Die Schwerpunkte liegen auf Recycling und nachhaltigem Design. Außerdem biete ich Kurse an, momentan etwa an der Volkshochschule unter dem Titel »Designkleidung selbst gemacht«. In anderen Einrichtungen und an Schulen biete ich ähnliche Kurse an, die gut angenommen werden.

Was wird das Besondere an deiner Existenzgründung sein?
Ich möchte Neues aus Altem schaffen. Aus Stoffresten und alter Kleidung soll neue Mode entstehen. Meine Betriebskosten werden durch diese Neuverwertung minimal gehalten. Für mich persönlich ist das Hanomag-Gelände zudem ein besonderes Symbol. Mein Vater hat bei der Hanomag als sogenannter Gastarbeiter sein Geld verdient, somit ist es für mich etwas Besonderes, als Tochter hier ein eigenes Unternehmen aufzubauen und anderen Frauen die Möglichkeit zu bieten, ihre eigenen Talente und Fähigkeiten auszuschöpfen. Hier auf dem Hanomag-Gelände, in einem Gebäude, das auch recycled wurde, will ich mit Frauen in einem Team arbeiten. Durch unsere gemeinsamen Fähigkeiten, meine Designs und ihr traditionelles Handwerk, entstehen edle Produkte.

Warum sind dir die Themen recycling und Teamarbeit wichtig?
Seit meiner Kindheit habe ich die traditionellen Handwerksarbeiten von Frauen, vor allem in der Türkei, bewundert. Ich will diese Fähigkeiten vor dem Hintergrund meines Studiums professionell sichtbar werden lassen. Während meiner Studienzeit haben mich die Themen Nachhaltigkeit und Recycling sehr beschäftigt, ich habe aber auch viel beratend in sozialen Einrichtungen gearbeitet. Ich merkte dann, dass das zwei Schwerpunkte waren, die mir sehr wichtig sind und die ich gerne kombinieren möchte.

Was sind deine Wünsche für deine berufliche Zukunft?
Mein Ziel ist es einerseits mich durch meine Mode/meine Kreativität zu verwirklichen. Andererseits will ich meinen Kunden die Produkte in einem angemessenen Preis-Leistungsverhältnis anbieten. Darüber hinaus möchte ich weiterhin mit meinen Kursen für Mode mit Bewusstsein sensibilisieren.